Jens Wilharm: Rede zur Deutschlandtagung der Alternativen Mitte in Tettau

//Jens Wilharm: Rede zur Deutschlandtagung der Alternativen Mitte in Tettau

Jens Wilharm: Rede zur Deutschlandtagung der Alternativen Mitte in Tettau

2017-10-05T19:51:41+00:00 04. 10. 2017|AM Blog|

Am 3. Oktober 2017, dem Tag der deutschen Einheit, haben sich viele Mitglieder der AfD in Tettau (Bayern) zur ersten bundesweiten Tagung der Interessengemeinschaft Alternative Mitte getroffen. Dabei hat unser Sprecher Jens Wilharm die nachfolgende Rede gehalten:

Liebe  Freunde der Alternativen Mitte, liebe Gäste, hallo Tettau,

ich darf Ihnen die Grüße aller Sprecher und Unterstützer der Alternativen Mitte Niedersachsen überbringen. Wir haben uns am 12. August 2017 in der Lüneburger Heide gegründet. Dabei wurden 6 Sprecher gewählt, einer davon bin ich. Mein Name ist Jens Wilharm. Meine Co-Sprecher sind Gabriele und Ulrich Bormann, Karsten Hoffmann, Christopher Jahn und Matthias Linderkamp.

Wir haben in Niedersachsen Wahlkampf. Immer noch oder schon wieder. Je nachdem, wie man das sieht. Denn wir haben am 15. Oktober eine vorgezogene Landtagswahl, nachdem sich eine Grüne in ihrer Partei nicht mehr so wohl fühlte und der CDU beitrat. Das kann man so sehen, dass die inhaltlichen Unterschiede auch zwischen diesen beiden Parteien so groß nicht mehr sind. Da wird man sicher auch in Berlin, nach einem inszenierten Showkampf für das zahlende Publikum, zueinander finden.

Mein Co-Sprecher Christopher Jahn ist Listenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen. Christopher wird direkt nach mir einige Worte an uns richten. Wir sind in Niedersachsen natürlich nicht glücklich über das Drama, das einen Tag nach einer erfolgreichen Bundestagswahl über uns hereingebrochen ist.

Zum einen sind es die unbelehrbaren Rechtsausleger unserer Partei, die es der AfD in den alten Bundesländern ohnehin besonders schwer machen und letztlich auch der Grund dafür sind, warum wir die Alternative Mitte gegründet haben und sie heute noch dringender brauchen als vor der Bundestagswahl.

Zum anderen sind es die, die inhaltlich auf unserer Seite stehen und jetzt einen medienwirksamen Exodus aus Fraktionen, Vorständen und der Partei veranstalten, ohne jede Rücksicht auf Verluste. Und dabei glauben machen wollen, dass der Kampf gegen den rechten Rand in der AfD längst entschieden und die Partei unrettbar verloren sei. Das sind bisher wenige, zum Glück wenige. Aber es sind darunter auch jene, die noch vor Kurzem das Gesicht unserer Partei waren oder zumindest ein Teil davon.

Ich will nicht einmal sagen, dass ich für den einen oder anderen und seine Beweggründe kein Verständnis hätte, im Gegenteil! Aber so was macht man nicht vor einer Wahl in einem der bevölkerungsreichsten Bundesländer. Es war vorschnell, zum jetzigen Zeitpunkt unnötig und ich teile die Beurteilung des inneren Zustandes der Partei auch nicht.

Das Schicksal unserer Partei hat sich nicht am 24. September entschieden, sondern darüber wird erst auf dem nächsten Bundesparteitag entschieden, wenn wir einen neuen Bundesvorstand wählen. Wir werden sehen, wie der dann zusammengesetzt sein wird. Daraus kann man in der Tat dann ablesen, in welche Richtung sich der Kurs der AfD in Zukunft entwickeln wird. Und ich sage es ihnen ganz klar. Ich kann mir schon Konstellationen vorstellen, die so sind, dass dann auch für mich die Reise zu Ende ist. Ich kann mir aber auch Konstellationen vorstellen, die das Ergebnis einer vernunftorientierten Wahlanalyse sind. Und die besagt ganz klar, dass die Mehrheit unserer Wähler rechtsextreme Positionen ablehnt und uns dieses Mal trotzdem gewählt hat. Diese Wähler wollen wir als Alternative Mitte dauerhaft an die AfD binden, und zwar deshalb, weil wir das genauso sehen.

Bis dahin werde ich kämpfen und alles dafür tun, dass die AfD das Gesicht der Mehrheit zeigt. Der Mehrheit der Wähler und auch der Mehrheit der Mitglieder. Dieses Gesicht ist bürgerlich-konservativ und patriotisch. Aber nicht nationalistisch oder rassistisch. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

Wir brauchen ALLE Mitglieder, wenn wir in diesem Land etwas bewegen wollen. Wenn wir genau WAS bewegen wollen? Wenn wir das umsetzen wollen, was wir uns am 1. Mai 2016 in Stuttgart in unser Grundsatzprogramm geschrieben haben. Was wir nicht brauchen, sind Mitglieder, die etwas anderes als das im Sinne haben.

Eines verspreche ich Ihnen, meine Toleranz ist groß, ich springe auch nicht über jedes hingehaltene Stöckchen und ich gestehe es jedem zu, sich einmal oder meinetwegen auch zweimal im Ton vergriffen zu haben. Jeder hat eine zweite Chance verdient, vielleicht auch eine dritte. Wer aber wiederholt mit ganz gezielten Provokationen auffällt, die sich jenseits der Inhalte bewegen, die wir in unserem Grundsatzprogramm beschlossen haben, der darf in unserer Partei nicht vorne stehen.

Was ist denn das, was sich jenseits der Inhalte unseres Programms bewegt? Ich will es Ihnen sagen. Das ist der gesamte Themenkreis rund um den zweiten Weltkrieg, seine Folgen und den Status unseres Staates.

Das geht von der Diskussion um die Kriegsschuldfrage bis hin zum guten und tapferen deutschen Soldaten.

Das geht vom Schuldkult über die erinnerungspolitische 180-Grad-Wende bis hin zur Selbstbesinnung der Deutschen.

Das geht von der Behauptung, unser Land habe keine Verfassung bis hin zu der, es werde immer noch von den Alliierten kontrolliert und Angela Merkel sei deren Marionette.

Dazu kommen dann noch diverse Verschwörungstheorien.

Ich verlange von allen Spitzenpolitikern unserer Partei, diesen Themenkreis endlich in der Mottenkiste verschwinden zu lassen. Nichts davon steht im Grundsatzprogramm der AfD. Und wir müssen uns auch auf nichts davon besinnen. Sondern wir müssen uns einzig und allein um die Zukunft unseres Landes kümmern.

Das heißt ja noch lange nicht, dass man über diese Themen in einem freien und aufgeklärten Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht, nicht reden darf. Das heißt auch noch lange nicht, dass man nicht Geschichte unvoreingenommen betrachten und durchaus immer wieder kritisch prüfen sollte. Aus rein historischem Interesse. Wer sich als Hobby gerne damit befassen möchte, soll das ja tun können.

Aber das heißt, dass diese Themen nicht dafür taugen, um auf die aktuelle politische Agenda gesetzt zu werden. Schon allein deshalb nicht, weil sie für die Zukunft unseres Landes nahezu belanglos sind.

Das muss dann aber auch für ALLE gelten. Für alle anderen Parteien und für die Medien ganz genauso. Niemand von uns muss es sich gefallen lassen, mit dem Finger auf sich zeigen zu lassen aufgrund von Ereignissen, die über 70 Jahre zurückliegen und mit denen er überhaupt nichts zu tun hat. Und niemand sollte diese Ereignisse heute noch missbrauchen, um damit einen politischen Gegner zu bekämpfen und von den wirklich wichtigen Inhalten abzulenken.

Was ist denn das, was in unserem Grundsatzprogramm steht? Das kann man da auf 95 Seiten nachlesen. Und es geht los nicht nur mit einem Bekenntnis zur Demokratie, sondern mit zahlreichen Forderungen, um sie noch besser zu machen. Indem man die Amtszeit der Abgeordneten und des Bundeskanzlers begrenzt. Indem man den Bundespräsidenten künftig direkt wählt. Und indem man Volksentscheide nach Schweizer Vorbild einführt.

Die AfD hat eigentlich ein freundliches Gesicht. Das ist das Gesicht vieler Mitglieder. Ein familienfreundliches, menschenfreundliches, tolerantes, freiheitliches, friedliebendes, heimatliebendes, hilfsbereites und soziales Gesicht. Dieses Gesicht müssen wir zeigen. Alle gemeinsam.

Deutschland braucht die Alternative für Deutschland. Und die Alternative für Deutschland braucht die Alternative Mitte. Wir wollen nach vorn schauen, nicht zurück. Wir wollen die Zukunft unseres Landes mitgestalten und dazu beitragen, dass unsere Partei in 4 Jahren regierungsfähig wird. Das bedeutet viel Arbeit und das bedeutet auch Zusammenarbeit. Innerhalb und außerhalb der Partei.

Und nun übergebe ich gern an Christopher Jahn, meinen Co-Sprecher in Niedersachsen. Vielen Dank!